Bewerben mit Sinn

Gastbeitrag von UnternehmerBerater und Coach Hr. Johannes Jahn (www.JohannesJahn.com)

(Beitrag Nr. 2015-58)

Bewerben ist eine Herausforderung. Ein Balanceakt, ein Ringen mit der Frage, was soll ich sagen, damit ich das herausstreiche, was ich gut kann ohne den Eindruck zu erwecken, dass ich übertriebe. Aber was will der potentielle Arbeitgeber genau – den Wunderwuzi? Manche Inserate vermitteln das. Aus meiner Tätigkeit als Dozent für Bewerbungstraining und der Erfahrung als Manager, Berater und Coach, habe ich drei Gruppen an Faktoren identifiziert:

  • Must Have : die Grundlagen, die minimal vorausgesetzt werden. (Sie finden eine Aufzählung unten und im Beispiel)
  • Lesbarkeit: Alles was es leichter macht, die wichtigen Informationen zu finden, besonders, wenn es viele Bewerbungen gibt.
  • Der extra Meter: hier geht es um Punkte, die sich als besonders erfolgreich erwiesen haben und die mit unserer Einstellung zu tun haben. Manche meiner Studenten, waren damit so erfolgreich, dass sie sogar mit Bewerbungen erfolgreich waren, die ursprünglich nur zur Übung erstellt wurden.

Bei dieser letzten Kategorie („extra Meter“), kommt es besonders auf eines an: Wie sehr vermittle ich meinem neuen Arbeitgeber nicht nur, dass ich das KANN was er braucht, sondern dass ich das auch WIRKLICH WILL, was er anbietet. Der ehemalige Chef von Worthington hat es auf den Punkt gebracht: „ich nehme nicht Leute die ‚nur’ etwas können, ich nehme Leute die WOLLEN!“

Grundlage dafür ist das Wissen über sich selbst: wie funktioniere ich, was freut mich und was plane ich für mein Leben in den nächsten 5 bis 15 Jahren. Als Ergebnis verbessert sich dadurch nicht nur Ihre Auswahl der Zielunternehmen, sondern es hebt auch die Chance durch Ihre verbale und non verbale Kommunikation Ihre Überzeugung zu vermitteln. Denn heute wissen wir, dass 80% unserer Kommunikation kaum beeinflussbar nonverbal stattfindet und vom Unterbewusstsein unseres Gegenübers wahrgenommen wird. Und das wirkt sich sowohl auf mündliche, als auch auf unsere schriftlichen Aussagen aus.
Sollten Sie hier bei sich Widerstände verspüren ist das ein Zeichen, genau hier besonderes Augenmerk anzulegen. Wenn Sie dabei durch eigene Überlegungen nicht weiterkommen, hilft Ihnen hier der professionelle Coach. Seine Aufgabe ist es, jene inneren Barrieren zu bearbeiten, die Ihre Zielorientierung verhindern.

Haben Sie großes Interesse am Bewerbungsunternehmen und den handelnden Personen dort? Wenn ja, werden Sie das bei einer Bewerbung vermitteln. Informieren Sie sich daher über die Geschichte und Status eines Betriebes, bereiten Sie Fragen zur Gegenwart, Zukunft und zur Strategie vor und steigern Sie so Ihre Erfolgsaussichten für ein Gespräch. Auch im den schriftlichen Unterlagen vermitteln Sie dann, was Sie besonders anspricht und begeistert. Und wenn Sie hier keine Idee haben, sollten Sie die Bewerbung eventuell überdenken und sich einem anderen Unternehmen zuwenden.

Machen Sie sich ein Bild, was Ihr Arbeitgeber wirklich braucht, wie Sie das erfüllen können und welchen Nutzen Sie hier durch Ihre Person, Fähigkeiten, Netzwerk oder durch Ihre Erfahrung stiften können. Passende Ausbildungen vermerken Sie in der entsprechenden Rubrik. Und besonders wirksam ist es bisherige Erfolge innerhalb eines Anstellungsverhältnisses kurz zu beschreiben (Achtung: nicht Tätigkeiten, sondern den Nutzen für Ihre Kunden oder Arbeitgeber).

In jedem Fall informieren Sie sich über die Ziele des Unternehmens und überlegen, wie sehr es Ihnen ein Anliegen sein kann, dabei mitzuwirken. Ihr zukünftiger Arbeitgeber wird genau das besonders honorieren.

Die Grundlagen finden Sie auch im Muster-Lebenslauf zum Download:

Must Have:

  • Der Name scheint auf jeder Seite auf
  • Neben den Daten zur Person und Anschrift ist ein aktuelles und professionelles Foto (Portrait mit ganzem Kopf mit Schultern auf neutralem Hintergrund) rechts oben – und ja, sie dürfen darauf lächeln.
  • Bisherige Arbeitgeber (eventuell mit Branchenangabe).
  • Zeitraum
  • Ausgeübte Funktion
  • kurze Beschreibung der Tätigkeit
  • Ausbildungen
  • Besondere – nachweisliche ­– Kenntnisse
  • Interessen und außerberufliches Engagement

Wenn Sie erwarten müssen, dass es mehr als 10 Bewerber gibt, wird jemand sehr viele Lebensläufe lesen müssen:

  • Lesbarkeit: der Lebenslauf ist gut strukturiert und leicht lesbar. Fragen Sie eine außenstehende Person ihres Vertrauens dazu um Feedback.
  • Eine kurze Zusammenfassung (wie eine Management Summary) links oben neben dem Foto erleichtert es dem Leser, sich an Sie zu erinnern. Diese sollte immer den Kern treffen, was Sie ausmacht und wo die Übereinstimmung Ihres Angebotes mit dem Bedarf besonders hoch ist.
  • Verändern Sie Ihren Lebenslauf für jede Bewerbung: kürzen Sie jene Punkte, die keinen Kontext zur neuen Aufgabe haben – ohne Essentielles wegzulassen. Beschreiben Sie Tätigkeiten genauer, die für Ihre neue Aufgabe einen Mehrwert bringen.

Der Extra Meter:

  • Ihre Erfolge: führen Sie bei jedem bisherigen Arbeitgeber besondere Erfolge aus Ihrer Tätigkeit an. Wenn Sie nicht sicher sind, fragen Sie sich, ob dieser Erfolg auch so stattgefunden hätte, wenn Sie nicht mitgearbeitet hätten. Beschreiben Sie dabei weniger die Tätigkeiten, sondern den erzielten Wert für Ihr Unternehmen und dessen Kunden – also das Ergebnis und den Nutzen. Daraus werden auch Rückschlüsse auf Ihre Fähigkeiten möglich, ohne Sie explizit anzusprechen.
  • Ihre Ziele: was wollen Sie erreichen, wo wollen Sie sich weiter entwickeln, was macht Ihnen so viel Freude, dass sie an (fast) jedem Tag gerne in die Arbeit gehen und was davon glauben Sie bei der Stelle vorzufinden. Das kann bei einem Motivationsschreiben gut passen oder ist eine gute Vorbereitung zu einem Vorstellungsgespräch.
  • Das Einkommen: definieren Sie für sich das Gehalt, für das Sie bereit sind, in der ausgeschriebenen Stelle zu arbeiten. Fragen Sie sich dabei nach dem Idealfall und was hier für Sie die absolute Untergrenze ist und unter welchen Voraussetzungen Sie bereit sind, auf dieses Gehaltsniveau einzugehen. So sind viele Arbeitnehmer bereit auch auf einen Teil des Gehaltes zu verzichten, wenn Sie dafür genau das machen, was besonders Freude macht oder in einem Unternehmen, für das Sie idealerweise schon immer arbeiten wollten.

Sollte ihnen jetzt sofort ein Unternehmen einfallen, für das Sie immer schon arbeiten wollten, dann legen Sie jetzt fest, wann Sie sich dort bewerben (am besten fangen Sie heute damit an). Und wenn Ihnen hier keines einfällt, dann beginnen Sie morgen damit, darüber nachzudenken.

Mag. Johannes Jahn ist UnternehmerBerater, Coach und Mediator mit den Schwerpunkten Organisationsentwicklung, Strategie, Vertriebsorganisation und Bewerbungstraining.

www.JohannesJahn.com

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